Kromsabel

»Was ich mich voorstellte damals und was mir späterhin im Traum oft noch erschienen ist, das war ein großer fremder Mensch, der eine hohe runde Mütze aus Krimmerpelz tief in seiner Stirn sitzen hatte und der gekleidet war in einen weiten braunen Mantel, zusammengehalten von einem mächtigen, an das Geschirr eines Pferdes erinnernden Riemenzeug. Auf dem Schoß liegen hatte er einen gebogenen kurzen Säbel mit mattleuchtenden Scheide. Die Füße staken in gespornten Schaftstiefeln. Ein Fuß war auf eine umgestürtzte Weinflasche gestellt, der andere auf dem Boden war etwas aufgerichtet und mit Ferse und Sporn ins Holz gerammt. Immer wieder hat mir geträumt und träumt es mir gelegentlich heut noch, wie dieser fremde Mensch seine Hand ausstreckt nach mir und wie ich, aller meine Furcht zum Trotz, näher und näher mich heranwage an ihn, so nah, bis ich ihn schließlich anlangen kann. Und jedes mal habe ich dann von der Berürhrung staubig, ja schwarz gewordenen Finger meinen Rechten wie das Zeichen für ein durch nichts auf der Welt mehr auszugleichendes Unglück vor Augen.«

uit: W.G. Sebald – Geschwindel. Gefühle. Frankfurt am Main, Fischer, 1994; 8e druk, augustus 2013 [pp. 249/250]

 

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